Apple iMac 27" mit demontiertem Display
24. Oktober 2018
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Zum Ende des 20. Jahrhunderts waren Computer kurzlebig und nach wenigen Jahren schon kaum brauchbarer Elektroschrott. Mittlerweile halten Rechner aller Art deutlich länger. Wenn nicht, hilft manchmal eine kuriose Reparatur.
Unsere Computer sind alt. Kein Rechner ist jünger als sieben Jahre. Warum? Die Leistung der Geräte ist für den aktuellen Bedarf mehr als ausreichend und eine Neuinvestition wäre wirtschaftlich wenig sinnvoll. Die Linuxe laufen auf diverser PC-Hardware und virtualisiert, macOS in der natürlichen Umgebung - auf iMacs und einem MacBook. Windows gibt´s nur virtualisiert und nur bei Bedarf als Test-Umgebung.
Nach über acht Jahren einwandfreiem Betrieb startete der älteste iMac aus 2009 (i5, 16GB RAM) nicht mehr und blieb beim Bootvorgang hängen. Diverse Reparatur-Versuche blieben erfolglos. Eine andere Festplatte, neu installiertes Betriebssystem, Reset - nichts half. Schon nach kurzer Recherche stand fest: Die Grafikkarte ist vermutlich defekt!
Der Tausch der Grafikkarte ist bei einem iMac eine Herausforderung (wie auch bei anderen Computern der Bauart "All-in-One"), aber wenigstens möglich. Leider sind passende Ersatzteile sehr teuer und nur noch gebraucht zu bekommen. Nach weiteren Recherchen fand ich heraus, dass sich die Grafikkarte vielleicht mit einer kuriosen Methode reparieren lässt. Verschiedene Foren-Einträge und Videos (z.B. bei IFIXIT) ermutigten mich zu einem Versuch. Erstmal einen Kaffee ...
Na gut, Saugnäpfe, Torx-Schraubendreher und weiteres Werkzeug zusammen gesucht und den Mac aufgeschraubt, die Speichermodule entfernt. Das Front-Glas wurde mit den Saugnäpfen abgezogen und vorsichtig an einem ruhigen Ort verstaut. Das Display an den Seiten abgeschraubt, an diversen Steckverbindern abgesteckt und ebenfalls ausserhalb der Reichweite von Kinderhänden abgestellt. Bis zu diesem Schritt der Reparatur gelangen auch versierte Hausfrauen. Schwieriger war der Ausbau und die Zerlegung der u.a. mit Kühlkörpern zusammen geschraubten Leiterplatten. Etwas Feinmechanik und Elektronik, für einen gelernten Büroinformationselektroniker und bekennenden Modelleisenbahn-Bastler sollte das zu schaffen sein - oder so.
Irgendwann hielt ich die Grafikkarte lose in der Hand und musste den wichtigsten Schritt wagen, sie bei 200 °C für 10 Minuten in den Backofen legen. Ich gebe zu, ich hatte Angst, so manches Bauteil würde die Haltung verlieren und von der Leiterplatte fallen, aber alle Teile blieben dran. Nach erfolgreichem "Backen" ohne Komplikationen wurde die Grafikkarte langsam abgekühlt und musste nun wieder eingebaut werden. Erstmal einen Kaffee ...
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Der Zusammenbau gelang erstaunlich gut und wir standen vor dem ersten Einschalten sehr gespannt vor dem iMac. Die Freude war gross, als der Startvorgang erfolgreich abgeschlossen war und sich das Login-Fenster meldete. Allerdings gab es einen unschönen, deutlich hörbaren Fehler: Der Mac war extrem und ungewohnt laut. "Waaaaas? Hast Du was gesaaaagt?" "Jaaaa, der Lüfter ist so laut!" "Weeeeer?" Erstmal einen Kaffee ...
Warum einer der Lüfter plötzlich der Meinung war, mit einem Staubsauger konkurrieren zu müssen, weiss ich bis heute nicht. Die Lösung bestand darin, an einer bestimmten Stelle, einen SMD-Widerstand mit 47k Ohm einzulöten. Natürlich hatte ich kein derartiges Bauteil und auch keine passende Löt-Möglichkeit. Ich fand zwei bedrahtete Widerstände mit jew. ca. 20k Ohm in der Schrott-Kiste meines Sohnes (gefüllt mit zerlegten und defekten Spielzeug-Autos, Radios, etc.). Die lötete ich zusammen, verhüllte sie mit Schrumpfschlauch und lötete sie mit zwei kurzen drähten - fluchend (entschuldige Steve) und schwitzend, aber irgendwann doch erfolgreich - mit meiner dünnsten Lötspitze an die gewünschte Stelle. Siehe da, der alte Computer mit dem Apfel-Logo lief wieder einwandfrei.
Das ist nun bald ein Jahr her und die Kiste läuft noch immer. Erstaunlich. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, die angestrebte Nutzungsdauer weiter zu verlängern und statt der mechanischen Festplatte eine schnelle SSD einzubauen. Damit habe ich bereits u.a. bei einem anderen iMac und am MacBook beste Erfahrungen gemacht. Die Investition von ca. 40,- EUR in ein Modell von TOSHIBA mit 240 GB Kapazität erschien mir angemessen.
Die Prozedur war vergleichsweise einfach: Alte Platte raus, neue Platte rein, starten von der externen Festplatte. Die sogenannte "TimeMachine" des macOS erstellt automatisch Sicherungen und eine bootfähige Partition, man muss sich also um nichts kümmern. Im Auswahlmenü die letzte Datensicherung zur Wiederherstellung ausgewählt, eine Stunde gewartet, fertig. Als Fachmann kommt man sich dabei schon fast nutzlos vor. Wäre der Marktanteil der Macs höher, wären viele PC-Klempner arbeitslos ...
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