Im September 2018 war diese besondere Wagengarnitur im ehemaligen Bahnbetriebswerk (Bw) Freilassing stationiert, um lokale Rettungskräfte im Umgang mit Leckagen und Unfällen an Kesselwagen zu schulen. Meine Fotos wurden am 9. September 2018 aufgenommen.
Aufbau und Funktion des Zuges
Der Ausbildungszug besteht in der Regel aus mehreren spezialisierten Wagen, die unterschiedliche Funktionen erfüllen:
- Unterrichtswagen: Ein umgebauter Reisezugwagen, der als mobiler Seminarraum dient. Hier erfolgt die theoretische Einweisung in die Kennzeichnung von Gefahrgütern und die Besonderheiten des Schienengüterverkehrs.
- Praxiswagen (Leckagewagen): Das Herzstück des Zuges. An diesem Wagen können verschiedene Schadensbilder wie Risse, defekte Ventile oder undichte Flansche simuliert werden. Um eine realistische Übungsumgebung zu schaffen, wird hierbei meist Wasser statt echter Gefahrstoffe verwendet.
- Gerätewagen: Er führt die notwendige Ausrüstung für die Übungen mit, darunter Auffangbehälter, Abdichtmaterial und Spezialwerkzeuge.
Der Armaturenwagen
Der Wagen mit der Nummer 80 80 DB 973 6 002-4 lässt sich als das technische Anschauungsobjekt des Ausbildungszuges beschreiben. Während der Leckagewagen für das praktische Abdichten genutzt wird, dient dieser Wagen primär der Vermittlung technischer Details.
Wesentlichen Merkmale dieses Wagens:
- Zweck: Er fungiert als „Schau-Kesselwagen“. Ziel ist es, den Einsatzkräften die Vielfalt der am Markt existierenden Kesselsysteme und deren Sicherungseinrichtungen an einem einzigen Objekt zu zeigen.
- Technische Ausstattung: Der Wagen ist eine Spezialanfertigung, die Elemente aus drei verschiedenen Kesselwagentypen (für Flüssigkeiten, verflüssigte Gase und Staubgut) vereint. Insgesamt sind daran etwa 65 verschiedene Armaturen und Sicherheitsventile verbaut.
- Begehbarkeit: Eine Besonderheit ist, dass dieser Kesselwagen über eine stirnseitige Tür an der Bremserbühne begehbar ist. Im Inneren befinden sich weitere Armaturen und Schnittmodelle, an denen die Funktionsweise von Ventilen und Entlüftungsvorrichtungen im Detail erklärt werden kann.
- Optik: Wie auf Deinem Foto erkennbar, trägt der Wagen das Design der „DB Netz Notfalltechnik“ mit dem charakteristischen orangefarbenen Längsstreifen, der im Bahnbetrieb häufig auf Gefahren oder spezielle Netzinfrastruktur hinweist.
- Technische Daten: Der Wagen hat eine Länge über Puffer (LüP) von ca. 18,24 Metern und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h zugelassen.
In Kombination mit dem Theorie- und dem Leckagewagen bildet er eine in Europa einzigartige mobile Ausbildungseinheit.
Die Bespannung: DB 203 307-4
Am 9. September 2018 wurde der Zug von der Lokomotive 203 307-4 bespannt. Bei dieser Maschine handelt es sich um eine modernisierte Lokomotive der ehemaligen DR-Baureihe V 100 (später BR 110/112).
Nach der Wiedervereinigung wurden viele dieser robusten Lokomotiven durch die Firma Alstom (ehemals LEW Hennigsdorf) modernisiert. Die Baureihe 203 zeichnet sich durch einen neuen Motor und eine angepasste Elektronik aus, behält jedoch die charakteristische Form der ostdeutschen V 100 bei. Diese Loks werden bei der Deutschen Bahn häufig im Bauzugdienst, für Rangieraufgaben oder eben zur Beförderung von Spezialzügen wie dem AZG eingesetzt.
Bedeutung des Standorts Freilassing
Das ehemalige Bahnbetriebswerk Freilassing mit seiner historischen Ringlokschuppen-Architektur bietet durch seine Gleisinfrastruktur optimale Bedingungen für solche Schulungen. Da Freilassing ein wichtiger Grenzbahnhof auf der Strecke München–Salzburg ist, spielt die Sicherheit im Gefahrgutsektor für die Region eine zentrale Rolle. Der Einsatz des AZG stellt sicher, dass die Feuerwehren entlang der Hauptabfuhrstrecken auf die speziellen Herausforderungen des Bahnbetriebs vorbereitet sind.
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